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 Zufallsbegriff aus dem Lexikon
In druckoptimiertem Format drucken Senden Sie diesen Begriff an einen Freund  1927 SS Cars (Jaguar)
Gründung der Firma SS Cars in Großbritannien, nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Firma in Jaguar umbenannt. Das erste Modell erscheint erst 1931....
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Automobilgeschichte : Kraftstoffe in den 20er Jahren
Geschrieben von Administrator am 07.10.2005 20:12

Heute gibt es Diesel, unverbleites Benzin als Super- und Normalkraftstoff, Erdgas, Biodiesel. Was tankte der Autofahrer in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts?

An den Tankstellen standen um 1927 diese Kraftstoffe zur Verfügung:

Benzin
Benzol
Benzin-Benzol-Gemisch
Motalin
Monopolin
Motorpetroleum
Gasöl

(Erläuterungen siehe unten)

Benzin und Monopolin waren die billigsten Kraftstoffe. Motalin war um ca. 5 % teurer, das Benzin-Benzol-Gemisch kostete rund 10 bis 15 % mehr als Benzin, Benzol war der teuerste Kraftstoff und kostete rund 30 % mehr.

Motorpetroleum war die gängige Bezeichnung für Diesel und kam erst Mitte der Zwanziger Jahre als Kraftstoffe für Fahrzeuge auf, als die ersten serienmäßigen Lastwagen mit Dieselmotor gebaut wurden. Gasöl wurde ebenfalls für Dieselmotoren eingesetzt. Gasöl und Motorpetroleum wurde ebenfalls noch für ältere Motoren mit Schwerölvergaser genutzt, aber das war um 1925 bereits eine Ausnahme.

Wer damals Markenbenzin kaufte, wusste auch oft, woher das Benzin kam, denn mit der Herkunft des Kraftstoffes betrieben einige Hersteller eifrig Werbung. An der Zapfsäule für DAPOLIN floss amerikanischer Sprit in den Tank, der als sehr hochwertig galt. STELLIN hatte auch einen sehr guten Ruf und kam mal aus den USA, mal aus Rumänien oder Indien. DEROP war eine Marke, die den Kraftstoff aus der Sowjetunion bezog. Dazu gab es noch viele andere Marken, zu den bekanntesten gehörten STRAX und ARAL.

Zur Belieferung der Tankstellen wurden oft noch sehr kleine Tankwagen eingesetzt. SHELL hatte z.B. kleine Tankwagen von ca. 5 bis 7,5 Tonnen, die für den Transport von Benzin und Öl gebaut waren. Auf diesen LKW von Büssing wurde das Benzin im Tank, das Öl in Kanistern auf der Pritsche dahinter transportiert.

Der Kraftstoffverbrauch in Deutschland lag um 1927/28 bei 800.000 bis 900.000 Tonnen, von denen rund 500.000 bis 600.000 Tonnen importiert wurden. Der Staat verdiente damals schon sehr gut daran, 1928 lag der Einfuhrzoll für eine Tonne Benzin bei 70 Reichsmark, dazu kam noch die Kraftstoffsteuer.


Benzin

Der Anteil des Benzins am Verbrauch aller Kraftstoffe lag zwischen 1925 und 1929 bei rund 50 %. Die Benzinsorten in Deutschland schwankten sehr stark in der Klopffestigkeit und die Hersteller setzten oft 5 bis 10 % Benzol zur Erhöhung der Klopffestigkeit zu. Dieser geringe Anteil musste noch nicht deklariert werden.

Benzol

Benzol galt bis zum Ersten Weltkrieg und noch danach als minderwertiger Kraftstoff. Als es im Ersten Weltkrieg zu Rohstoffengpässen kam, wurde Benzol als Kraftstoff verbessert. Nach Kriegsende wurde die Zusammensetzung des Benzols normiert. Benzol wurde fast aussschließlich für Motoren mit sehr hoher Kompression benutzt.

Benzin-Benzol-Gemisch

Benzin-Benzol-Gemische bestanden aus ca. 60 % Benzin und 40 % Benzol und sorgten durch den hohen Anteil an Benzol für einen klopffesten Motorbetrieb. Vertrieben wurde das Gemisch von vielen bekannten Marken: ARAL, DYNAMIN (eine Tochtergesellschaft der SHELL), DUOLIN (ab September 1928 eine Gesellschaft der ESSO), der D.A.P.G. (Deutsche Allgemeine Petroleum Gesellschaft) u.a.

Motalin

Motalin war künstlich hergestelltes Benzin und eine Erfindung der Kriegsnot. Mit synthetischen Benzinen wurde zwar schon vor 1914 experimentiert, aber erst im Ersten Weltkrieg wurden bedeutendere Produktionsanlagen errichtet. Hergestellt wurde dieser Kraftstoff von der I.G. Farbenindustrie AG in den Leunawerken, vertrieben wurde er von der Deutschen Gasolin AG und gezapft wurde an Motalin-Zapfsäulen. In der Qualität entsprach Motalin dem Benzin, das aus Erdöl gewonnen wurde.

Ob jemand Motalin fuhr oder nicht, konnte der Fachmann an den Zündkerzen und dem Verbrennungsraum erkennen. Dort bildete sich eine leichte, rote Pulverschicht beim Betrieb mit Motalin.

Seit Ende 1928 waren auch Motylpatronen im Handel. Das waren kleine Blechkanister mit einem konzentrierten Gemisch aus Eisenkarbonyl. Es wurde als Additiv dem reinen Benzin zugesetzt und erhöhte dessen Klopffestigkeit. Das gewöhnliche Benzin erhielt mit diesem Zusatz ungefähr die Qualität von Motalin.

Monopolin

Monopolin wurde von der Reichskraftspritgesellschaft und dem Benzol-Verband hergestellt und vertrieben. Es bestand aus ca. 75 % Benzin und ca. 25 % Aethylalkohol, der hauptsächlich in Kartoffelbrennereien erzeugt wurde. Der Alkoholzusatz erhöhte die Klopffestigkeit.
Motorpetroleum und Gasöl

Diese beiden Kraftstoffe entsprachen dem heutigen Dieselkraftstoff.

Braunkohlenbenzin

In geringen Mengen wurde auch Braunkohlenbenzin hergestellt, das nicht mit dem synthetischen Benzin zu verwechseln ist, das ebenfalls aus Braunkohle gewonnen wurde. Gewonnen wurde dieser kompressionsfeste Kraftstoff in Braunkohlenschwelereien. Mit Benzin gemischt wurde dieser Kraftstoff überwiegend in Motoren von Lastwagen gefahren. Braunkohlenbenzin soll an einem sehr charakteristischen Geruch von Kraftstoff und Abgasen erkennbar gewesen sein.

Schwerbenzol-Spiritus-Gemisch

Dieser Kraftstoff wurde sehr selten verwendet. Er konnte in Dieselmotoren und Glühkopfmotoren benutzt werden. Meistens wurde er für Motoren, die auch mit Gasöl betrieben werden konnten, verwendet. Der Vorteil lag offenbar nur darin, dass dieses Gemisch weniger schlecht roch. Abgase von Gasölmotoren sollen einen fürchterlichen Geruch verbreitet haben.

Rennkraftstoffe

Für die Motoren von Rennwagen wurden spezielle Gemische aus Benzin und reinem Alkohol (meistens Methanol) produziert.

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